Eine neue Website soll mehr Anfragen bringen – nicht weniger. Trotzdem passiert es immer wieder: Nach dem Relaunch sieht alles moderner aus, aber das Telefon klingelt seltener. Der Grund ist fast immer derselbe: Alte Adressen führen ins Leere, und Google muss die Website erst neu verstehen. Mit dieser Checkliste vermeiden Sie das.
Warum Rankings beim Relaunch verloren gehen
Google kennt Ihre bisherige Website unter bestimmten Adressen, zum Beispiel ihre-firma.de/leistungen/dachsanierung.html. Diese Adressen haben über die Jahre Vertrauen, Verlinkungen und Rankings gesammelt. Ändert sich die Adresse beim Relaunch – etwa zu ihre-firma.de/dachsanierung/ – und gibt es keine Weiterleitung, landen Besucher und Google auf einer Fehlerseite. Das gesammelte Vertrauen geht verloren.
Weitere typische Ursachen:
- Wichtige Texte wurden gekürzt oder gestrichen, weil das neue Design „luftiger“ sein sollte.
- Die neue Website wurde versehentlich mit der Einstellung „nicht indexieren“ veröffentlicht.
- Seitentitel und Beschreibungen wurden nicht übernommen.
- Die neue Seite lädt langsamer als die alte.
Phase 1: Vor dem Relaunch
1. Alle bestehenden Adressen erfassen
Erstellen Sie eine vollständige Liste aller URLs der alten Website. Quellen dafür sind die XML-Sitemap (meist unter /sitemap.xml), ein Crawl mit einem SEO-Tool und der Bericht „Seiten“ in der Google Search Console. Vergessen Sie PDFs und Bilder nicht, auf die extern verlinkt wird.
2. Die wichtigsten Seiten identifizieren
Exportieren Sie aus der Search Console die Seiten mit den meisten Klicks der letzten 12 Monate. Meist bringen zehn bis zwanzig Seiten den größten Teil der Besucher. Diese Seiten verdienen besondere Sorgfalt.
3. Suchbegriffe und Positionen sichern
Notieren Sie für die wichtigsten Seiten die Suchbegriffe, für die sie gefunden werden, samt Position. Nur so können Sie nach dem Launch vergleichen, ob alles gut gegangen ist.
4. Inhalte bewusst übernehmen
Ein Relaunch ist eine gute Gelegenheit, Texte zu verbessern. Aber: Seiten, die gut ranken, sollten ihre Kernaussagen, Überschriften und den Umfang behalten. Kürzen Sie dort nur, wenn Sie wirklich wissen, warum.
5. Den Weiterleitungsplan erstellen
Das Herzstück jedes Relaunches. In einer einfachen Tabelle steht links jede alte Adresse, rechts die passende neue Adresse:
| Alte URL | Neue URL | Status |
|---|---|---|
| /leistungen/dachsanierung.html | /dachsanierung/ | 301 |
| /ueber-uns.php | /ueber-uns/ | 301 |
| /aktuelles/sommerfest-2019.html | /ueber-uns/ | 301 |
| /alte-aktion-2018.html | – | 410 |
Grundregeln: Jede alte Seite wird auf die inhaltlich passendste neue Seite umgeleitet – nicht alles pauschal auf die Startseite. Seiten ohne Nachfolger und ohne Besucher dürfen mit dem Status 410 („entfernt“) verschwinden.
6. Auf einer Testumgebung bauen
Die neue Website entsteht auf einer separaten Adresse, die für Google gesperrt ist (Passwortschutz oder „noindex“). Wichtig: Diese Sperre muss beim Launch wieder entfernt werden – das ist der häufigste und teuerste Fehler überhaupt.
Phase 2: Am Launch-Tag
7. Weiterleitungen aktivieren und testen
Spielen Sie den Weiterleitungsplan ein und testen Sie stichprobenartig mindestens die zwanzig wichtigsten alten Adressen. Jede sollte mit einer einzigen 301-Weiterleitung auf der richtigen neuen Seite landen – ohne Umwege über mehrere Stationen.
8. Indexierung freigeben
Prüfen Sie, dass weder ein „noindex“ im Quelltext noch eine Sperre in der robots.txt die neue Website blockiert. Kontrollieren Sie auch die Canonical-Angaben: Sie sollten auf die neue Seite selbst zeigen.
9. Sitemap einreichen
Reichen Sie die neue XML-Sitemap in der Google Search Console ein. Bei einem Wechsel der Domain nutzen Sie zusätzlich das Tool „Adressänderung“ in der Search Console.
Phase 3: Nach dem Relaunch
10. Fehlerseiten beobachten
Schauen Sie in den ersten Wochen regelmäßig in den Bericht „Seiten“ der Search Console. Tauchen dort viele 404-Fehler alter Adressen auf, ergänzen Sie fehlende Weiterleitungen.
11. Rankings und Klicks vergleichen
Vergleichen Sie Klicks und Positionen mit Ihren gesicherten Werten aus Schritt 3. Leichte Schwankungen in den ersten zwei bis vier Wochen sind normal, während Google die neue Struktur verarbeitet. Bleibt eine wichtige Seite dauerhaft deutlich schlechter, prüfen Sie Inhalt und Weiterleitung dieser Seite.
12. Ladezeit und Nutzerverhalten prüfen
Messen Sie die Ladezeit der wichtigsten Seiten auf dem Handy, zum Beispiel mit PageSpeed Insights. Die Werte für den Largest Contentful Paint sollten unter 2,5 Sekunden liegen. Und schauen Sie, ob die Anfragen über Formular und Telefon wie erwartet kommen.
Die Checkliste zum Abhaken
- Alle alten URLs erfasst (Sitemap, Crawl, Search Console)
- Top-Seiten nach Klicks identifiziert
- Suchbegriffe und Positionen gesichert
- Inhalte der Top-Seiten übernommen
- Weiterleitungsplan alt → neu erstellt
- Testumgebung für Google gesperrt
- Weiterleitungen aktiviert und getestet
- Sperre entfernt, Canonicals geprüft
- Neue Sitemap eingereicht
- 404-Fehler beobachtet und behoben
- Rankings und Klicks verglichen
- Ladezeit und Anfragen geprüft
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Wenn Ihre bisherige Website nur aus fünf Seiten besteht und kaum Besucher über Google bekommt, ist der Aufwand überschaubar. Sobald die alte Seite aber nennenswert Anfragen bringt, lohnt sich professionelle Begleitung: Ein verlorenes Ranking zurückzuholen dauert oft länger als der ganze Relaunch.
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Häufige Fragen
Bei sauberer Umsetzung mit vollständigen Weiterleitungen sind die meisten Rankings nach zwei bis sechs Wochen stabil. Ohne Weiterleitungen kann es Monate dauern – oder Rankings gehen dauerhaft verloren.
Eine 301-Weiterleitung sagt Google: Diese Seite ist dauerhaft umgezogen. Eine 302-Weiterleitung bedeutet „vorübergehend“. Für einen Relaunch ist fast immer 301 richtig.
Ja, wenn sie keine Besucher bringen, keine externen Links haben und es keinen passenden Nachfolger gibt. Dann ist der Status 410 („entfernt“) die sauberste Lösung. Seiten mit Besuchern oder Links sollten Sie dagegen immer weiterleiten.


